REISEBERICHTE

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Dialysepatienten an Ihren Erfahrungen und Eindrücken vom Reiseziel und von der Feriendialyse teilhaben.

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Letzte Aktualisierung: 03.07.2019

Reisebericht Kambodscha Februar/März 2017

Eines der Traumziele von mir und meiner Frau war seit jeher Angkor Wat, die größte Tempelanlage der Welt. Aber wie dort hinkommen als Dialysepatient?  Um die riesige Anlage zu erleben, benötigt man mehrere Tage. Liebels Dialysereisen hat recherchiert und herausgefunden, dass eine Dialyse vor Ort, eine Filiale des Königlichen Thailandischen Hospitals in Bangkok, leider Mitte 2016 geschlossen wurde. Das örtliche Hospital verwies auf das Sen Sok International Hospital in der Hauptstadt Phnom Penh, dort war vor einem Jahr mit japanischer Hilfe eine Dialysestation eingerichtet worden. Und von dort kam prompt eine positive Bestätigung, dass sie mich als Patienten aufnehmen würden.

Wir entschlossen uns daher, es nicht bei einer Stippvisite der Tempelanlagen zu belassen, so wie es die Mehrzahl der Touristen tut, die für ein oder zwei Übernachtungen aus Bangkok, Ho-Chi-Minh-Stadt oder Singapur einfliegen. Unseren Interessen entspricht es ohnehin auf unseren Reisen nicht nur Sehenswürdigkeiten zu besuchen, sondern Land und Leute auch in ihrem alltäglichen Leben kennen zu lernen. Daher buchten wir nun im Anschluss an einen einwöchigen Singapuraufenthalt 14 Tage Phnom Penh mit einem Ausflug nach Angkor Wat über ein Wochenende, also einem langen Dialyseabstand von Freitag bis Montag.

Bewusst hatten wir für unsere Reise den Februar/Märzgewählt: Während es in Singapur immer heiß und schwül ist, endet in Kambodscha im März/April die Trockenzeit. Während dieser Zeit ist es zwar warm, um und etwas über 30 Grad, aber trocken und daher erträglich, oft auch ein wenig bedeckt. In der Regenzeit steigen die Temperaturen dann auf bis zu 40 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit, was sehr belastend ist.

Wir waren nicht zum ersten Mal in Südostasien, aber Kambodscha zählt zu den ärmsten und rückständigsten Ländern der Region. Darauf muss man sich einstellen. Hinzu kommen die Nachwirkungen der Ausweitung des Vietnamkriegs auf Kambodscha durch die Amerikaner, ein verheerender Bürgerkrieg und die Schreckensherrschaft der Roten Khmer mit dem Völkermord an der eigenen Bevölkerung. Nach der Befreiung durch vietnamesische Truppen im Jahr 1979 führten die Roten Khmer noch 20 Jahre lang einen Guerillakrieg. Das Land ist noch immer traumatisiert. So ist es für die buddhistische Bevölkerung  mit traditioneller Ahnenverehrung unerträglich nicht zu wissen, wo ihre Vorfahren abgeblieben sind.  Für uns war es selbstverständlich, uns auch mit diesen traurigen Aspekten Kambodschas zu beschäftigen und daher gehörte ein Besuch der Killing Fields und des Foltergefängnisses S-21 in Tuol Sleng einfach dazu, auch wenn es wirklich hart und unbeschreiblich  ist.

Trotz ihrer tragischen Geschichte hat die Bevölkerung ihre sprichwörtliche Freundlichkeit und Offenheit bewahrt. Überall war man willkommen, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Die Verständigung auf Englisch klappte meistens, wenn auch manchmal nur notdürftig. Früher sprach man auch viel französisch, denn Kambodscha war 100 Jahre lang französische Kolonie, aber ältere Leute gibt es aufgrund des Terrorregimes der Roten Khmer nur noch wenige. Alle, die eine Fremdsprache beherrschten, waren damals verdächtig und wurden ermordet.

Phnom Penh ist eine Millionenstadt mit einem höllischen Verkehr. Unser Hotel White Mansion (die ehemalige amerikanische Botschaft) lag sehr zentral und doch ruhig, aber unsere Vorstellung, von dort aus fußläufig einige Sehenswürdigkeiten zu erreichen,  stellte sich als  Illusion heraus. Die Bürgersteige der in der französischen Kolonialzeit angelegten großzügigen Boulevards waren entweder vollständig mit Garküchen und Verkaufsständen belegt, völlig zugeparkt oder so vermüllt, dass man auf der von Motorrädern und Autos vielbefahrenen Straße laufen musste. Spätestens an der nächsten Kreuzung scheiterte man dann am Querverkehr. Also gewöhnte man sich daran selbst für kleine Wege ein Tuk-Tuk zu ordern, das  -je nach Entfernung- für zwei bis drei US-Dollar sicher und schnell den gewünschten Ort ansteuert.

Sehenswert in Phnom Penh sind einige Tempel wie der Wat Ounalum am Ufer des Tonle Sap River,  allen voran aber das Hauptheiligtum Wat Phnom. Interessant sind ein Besuch des Zentralmarktes und des Russischen Marktes, ebenso ein abendlicher Bummel auf der Promenade am Sisowath Quay beim Zusammenfluss von Tonle Sap und Mekong. Natürlich darf der Königspalast mit der Silberpagode und dem Thronsaal nicht fehlen, ebenso wie eine Fahrt auf dem Mekong zur Seideninsel. Hier bekommt man einen guten Eindruck vom Leben auf dem Land. Ich meinte, über die Seidenherstellung schon alles zu wissen, aber in Kambodscha ist bezüglich der Seidenraupenzucht doch einiges anders.  Einschließlich der Tatsache, dass die gekochte Seidenraupe zu den Delikatessen zählt! Kulturelle Höhepunkte waren der Besuch eines Schattentheaters und die Aufführung von Apsaratänzerinnen. Zum besseren Verständnis sollte man sich mit der indischen Ramayana-Legende vertraut machen, denn hier werden Szenen daraus dargestellt. Ebenso interessant war die Vorführung von Volkstänzen im Nationalmuseum, die eine unerwartete Vielfalt und Dynamik zum Ausdruck brachten. Auch hier ein tragisches Erbe der Roten-Khmer-Herrschaft: Tanz und Musik waren in dieser Zeit verboten, Tänzerinnen wurden ermordet, schriftliche Unterlagen und Instrumente vernichtet. Heute bemüht man sich um Rekonstruktion des eigenen kulturellen Erbes mithilfe von Überlebenden und Rückkehrern aus dem Exil. Wir besuchten eine Schule für Apsara-Tänzerinnen, in der schon Vorschulkinder unterrichtet werden, denn die Ausbildung dauert sehr lange  und ist höchst kompliziert.

Unser Haupt- Reiseziel, der Besuch der Tempelanlagen von Angkor Wat, fand nun zeitlich gut getaktet an einem Wochenende statt: Freitagmorgen um 6 Uhr in die Dialyse, um 11:30 Uhr holte mich meine Frau auf dem Weg zum Flughafen dort ab. 40 Minuten Flug nach Siem Reap, Ankunft dort um 13:30 Uhr. Wir hatten schon mehrere Wochen vorher Kontakt aufgenommen zu deutschsprachigen Reiseführern, davon gibt es in Angkor Wat nur sehr wenige! Wir hatten Glück und Pal Sothy hatte drei Tage Zeit für uns.  Wir können ihn wärmstens empfehlen, er ist äußerst sachkundig und hatte ein fantastisches Programm für uns ausgearbeitet (Kontakt unter sothy_pal7@yahoo.com ). Die notwendigen umfangreichen Erklärungen wären auf Englisch doch nur schwer nachvollziehbar gewesen!

Wir hatten den Reiseführer mit einem Wagen und Fahrer gemietet und wurden am Flughafen abgeholt. Von dort fuhren wir nicht sofort ins Hotel, sondern um den Nachmittag zu nutzen direkt zu einem ländlichen Kloster, in dem wir die Segnungen eines buddhistischen Mönches empfingen. Dann ging es auf den örtlichen Markt mit Verkaufsständen und Garküchen. In Kambodscha werden gerne Insekten verspeist wegen des hohen Proteingehalts, z.B. geröstete Grillen und Wasserkäfer, aber auch viele Pflanzen wie Wasserhyazinthen und Lotusblütenstängel gehören zum Speiseplan. Köstlich: Frisch gepresster Zuckerrohrsaft mit Eis!  Anschließend fuhren wir durch Reis- und Lotusfelder und nach einem Stopp auf einem Bauernhof mit Wasserbüffelbadestelle zu einem Bootsanleger.  Ein Bootsausflug auf dem Tonle Sap See ist ein beeindruckendes Erlebnis. Er ist das größte Süßwasserreservoir Südostasiens und ein sehr fischreiches Gewässer, daher gehört Fisch zu den alltäglichen Speisen in Kambodscha. Jetzt war Trockenzeit, der Wasserstand ist zur Regenzeit um ca. 10 Meter höher. Daher stehen die Bauernhäuser am Ufer auf hohen Stelzen. Auf dem See befinden sich  schwimmende Dörfer, mit einer großen Schule im Mittelpunkt und einem Sportplatz auf einem Ponton. Nach dem Sonnenuntergang begann die Rückfahrt und erst am Abend ging es zum  Einchecken ins Hotel. Ein sehr erlebnisreicher erster Tag!

Am zweiten Tag ging es frühmorgens los zu den weitläufigen Tempelanlagen von Angkor Wat. Unser Führer Pal Sothy  führte uns an diesem Tag zu zahlreichenTempelanlagen aus verschiedenen Zeiten und mit unterschiedlichen Bauweisen. Dies in Einzelheiten zu beschreiben würde zu weit führen, aber diese Herangehensweise diente dem besseren Verständnis der Gesamtanlage. Den Haupttempel haben wir dann erst am Sonntag besichtigt, sozusagen als Höhepunkt und frühmorgens beim Sonnenaufgang. Eindrucksvoll die Reliefs mit den mythischen Erzählungen, die uns Pal Sothy  geduldig  vermittelte. Diese Tempelanlage haben die Roten Khmer nicht angerührt, obwohl sie hier ihr Haupt-Lager hatten. Viele buddhistische Tempel wurden im Land zerstört, aber Angkor Wat haben sie respektiert. Leider hat es aber nach dem Ende ihrer Herrschaft in den Wirren des Bürgerkriegs vielfach Zerstörungen gegeben und Kunsträuber haben wertvolle Statuen über die Grenze nach Thailand geschmuggelt und auf dem internationalen Kunstmarkt verkauft. Trotzdem lohnt ein Besuch dieser riesigen Anlage allemal und ist ein unvergessliches Erlebnis.

Am Montag ging es dann in aller Frühe zum Flughafen und in Phnom Penh um 11:30 Uhr direkt zur Dialyse, also ein perfektes Timing. Nach den anstrengenden und total ausgefüllten Tagen in Angkor Wat brauchten wir dann etwas Erholung, dazu war das Hotel White Mansion ein perfekter Ort. Zentral gelegen, aber ruhig in einer Seitenstraße mit einem netten Pool und hervorragendem Service.  Unser Aufenthalt klang aus mit kleineren Unternehmungen, u.a. dem Besuch des Nationalmuseums, in dem wichtige Fundstücke aus Angkor Wat ausgestellt sind.  Am Wochenende dann der Rückflug nach Düsseldorf über Singapur und eine sehr langsame Eingewöhnung in das Leben hier zu Hause …

Dialyse in Phnom Penh

Es war gar nicht so einfach herauszufinden, ob in Kambodscha eine Dialyse möglich ist. Aber die Kolleginnen von Liebels Dialysereisen haben gründlich recherchiert und den Kontakt hergestellt. Die Kommunikation war freundlich und zuverlässig, so dass ich ein gutes Gefühl hatte. Trotzdem ist es natürlich spannend, ob vor Ort auch alles klappt, denn immerhin ist Kambodscha ein in vielen Dingen unterentwickeltes Land. Aber mein erster Eindruck beim ersten Dialysetermin hat dann bestätigt, dass ich dort gut aufgehoben war. Der Chefarzt empfing mich persönlich, die japanische Nipro-Maschine waren neuester Bauart, das Pflegpersonal war kompetent  und der Hygienestandard in meinem Einzelzimmer in Ordnung.  Vom Äußeren eines Gebäudes darf man sich nicht irritieren lassen, das ist natürlich kein mitteleuropäischer Standard. Aber auch in Polen, Tschechien und Spanien habe ich da schon Abstriche machen müssen.  Die Verständigung mit dem Personal war manchmal etwas schwierig, aber eine englischsprechende Ärztin war ständig anwesend. Die Klinik bestand darauf sämtliche Laboruntersuchungen noch einmal selbst durchzuführen, obwohl  ich alle aktuellen Werte dabei hatte. Der eigentliche Grund wurde mir klar, als ich einer taiwanesischen Delegation vorgeführt wurde: Ich war der erste Europäer, den sie dialysiert haben und sie waren sehr stolz darauf und wollten auf keinen Fall etwas falsch machen.

Die Kosten einer Dialyse in Kambodscha sind erheblich höher als bei uns, aber es ist dort ohnehin üblich dass Ausländer für ärztliche Behandlungen extrem hohe Preise zahlen. So kostet ein Arztbesuch für Ausländer vorab pauschal 100 US-Dollar, unabhängig davon welche Untersuchungen gemacht und dann auch noch zusätzlich berechnet werden. In Internetforen wird darüber gemeckert, aber angesichts dessen, dass in diesem Krankenhaus auch mittellose Kambodschaner behandelt und auch dialysiert werden, kann man den Gedanken, wohlhabenderen Touristen erhöhte Preise abzuverlangen, schon verstehen. Ich war jedenfalls zufrieden und froh trotz Dialysepflicht eine solche Reise überhaupt machen zu können und kann das Sen Sok International Hospital durchaus empfehlen.